Sich an sich selbst orientieren

Trotz der Orientierung an den äußeren Begebenheiten geht es bei der Frage nach der eigenen beruflichen Orientierung vor allem darum, sich selbst besser kennenzulernen bzw. besser in Worte fassen zu lernen, was einen selbst eigentlich auszeichnet. Wer diesen Lernprozess durchläuft, kann oft besser formulieren, was sein oder ihr berufliches Ziel ist – und hat gleichzeitig die besseren Argumente, um zu zeigen, wieso dieses Ziel gerade zur eigenen Person passt.

Die folgenden Fragen können Sie auf dem Weg zu diesem Ziel unterstützen:

  • Wo stehe ich in meiner beruflichen Entwicklung? Welche Erfahrungen und Qualifikationen sind für meine berufliche Entscheidung schon relevant?

Für die berufliche Orientierung ist vieles relevant, nicht nur der Studienabschluss. Es gibt Ehrenämter, politisches oder kirchliches Engagement, Fort- oder Weiterbildungen, gewonnene Preise, besondere Leistungen, erschlossene Netzwerke, spezielle Hobbys oder besondere Mitgliedschaften, die Ihnen einerseits Hinweise darauf geben können, welche beruflichen Tätigkeiten für Sie in Frage kommen könnten und andererseits auch das Interesse zukünftiger Arbeitgeber*innen wecken könnten.

Tipp: Erschließen Sie den „Status Quo“ Ihrer beruflichen Entwicklung, indem Sie auf ein Blatt Papier einen Zeitstrahl aufzeichnen. Vermerken Sie darauf möglichst viele relevante Erfahrungen und Qualifikationen, die (vielleicht auch nur im entferntesten Sinn!) relevant für Ihre berufliche Zukunft sein können! Wenn sie mögen, zeichnen Sie anschließend den Zeitstrahl in die Zukunft hinein fort: Welche Erfahrungen und Qualifikationen wünschen Sie sich in Zukunft zu machen bzw. zu erwerben?

  • Worin bin ich besonders gut? Was sind meine Stärken?

Natürlich ist für Ihre berufliche Orientierung relevant, was Ihre besonderen Fähigkeiten, Ihre Stärken und guten Eigenschaften sind, die Sie einbringen können. Es lohnt sich deshalb, diese möglichst präzise beschreiben zu können.

Fragen Sie sich: Was sind Momente in Ihrem bisherigen Leben gewesen, in denen Sie gedacht haben: „Hier ist mir etwas richtig gut gelungen!“ Und prüfen Sie die Bedingungen des Gelingens: Warum hat es gut geklappt? Was haben Sie geleistet, um Ihr Ziel zu erreichen? Welche Schwierigkeiten haben Sie wie überwunden? Trauen Sie sich auch ruhig, Ihre Erfolgsgeschichte einer anderen Person zu erzählen und hören Sie sich an, was diese dazu zu sagen hat! Es kann sich lohnen, gleich mehrere solcher Erfolgserlebnisse zu notieren.

Diese Überlegungen geben in abgespeckter Form wieder, was Richard Nelson Bolles methodisch ausgefeilt in einem Kapitel seines Buchs „Durchstarten zum Traumjob. Das Workbook“ entwickelt hat. Eine Literaturangabe finden Sie unter „Interagieren“.

  • Was packt mich? Was kann ich stundenlang tun, ohne mich zu langweilen? Wofür interessiere ich mich?

Es will heute wohl kaum jemand einem ‚Job‘ nachgehen, in dem es für sie oder ihn eigentlich nichts Spannendes zu tun gibt. Was spannend oder interessant ist, hängt dabei völlig von Personen ab: Geschmäcker und Interessen sind eben verschieden. Und gerade deshalb ist es wichtig, formulieren zu können, worin eigentlich das eigene Interesse besteht. Wer weiß: Vielleicht gibt es einen Arbeitsplatz, an dem Sie auf Dinge stoßen, die für Sie interessant sind?!

Tipp: Zeichnen Sie sich einen Wochenstundenplan! Wie sähe für Sie eine perfekte Woche aus? Was würden Sie gerne tun und erleben? Notieren Sie entsprechende Tätigkeiten in Ihrem Wochenstundenplan! Achten Sie dabei auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen verschiedenen Tätigkeitsarten!

  • Für welche Werte möchte ich einstehen? Was ist mir wichtig?

Im Beruf geht es für viele Menschen um weit mehr als lediglich den Erfolg und das Geldverdienen. Was man manchmal „Selbstverwirklichung“ nennt, könnte man in bestimmten Formen auch als Platzierung eines persönlichen Wertegerüsts bezeichnen. Wer davon weiß, was ihr oder ihm wichtig ist, kann entsprechend agieren.

Zeichnen Sie deshalb doch einfach einmal eine Wertepyramide: Welche Werte und „Wichtigkeiten“ gibt es in Ihrem Leben? Worauf kommt es Ihnen letztlich an? Und vielleicht auch: Was ragt an der Spitze Ihrer Pyramide hervor, auf welchem Fundament steht Ihr Wertegerüst? Vielleicht zeigt sich dabei sogar, dass Ihr Wertegerüst gar keine pyramidale Form hat – auch gut!

  • Wie flexibel bin ich im Hinblick auf den Ort meiner beruflichen Tätigkeit? Wie stelle ich mir ein günstiges Zusammenspiel zwischen meiner privaten und meiner beruflichen Entwicklung vor? Welche Sicherheiten brauche ich?

Diese Fragen gehören für viele sicherlich zu den entscheidenden. Wie gehen die beruflichen und die privaten Pläne zusammen? Wie auch immer die Antworten auf die genannten Fragen lauten, eins ist doch sehr wichtig: Entscheiden Sie sich für etwas, für das Sie auch stehen können. Wenn Ihnen als Nordlicht eine tolle Stelle am Bodensee winkt, sind Sie nur entscheidungsfähig, wenn Sie Ihre Prioritäten geklärt haben. Ähnlich verhält es sich zum Beispiel mit befristeten Projektstellen: Gehen Sie das Wagnis ein, nach vielleicht zwei oder drei Jahren direkt wieder eine Stelle zu suchen oder suchen Sie von vorneherein nach Sicherheiten?

Wenn Sie diese Fragen beantworten können, dann haben Sie sicherlich schon einige Schlagworte generiert, die Ihnen dabei helfen, für Sie relevante und weniger relevante Stellen voneinander zu unterscheiden und können gleichzeitig Ihr Profil für zukünftige Bewerbungen schärfen.

Beachten Sie jedoch, dass berufliche Orientierung ein Prozess ist, mit dem Sie nicht einfach fertig sind, nachdem Sie ein paar Übungen gemacht haben! Sie bleiben im Prozess Ihrer beruflichen Orientierung – und möglicherweise geben Sie in wenigen Jahren sogar andere Antworten auf die oben stehenden Fragen, als Sie es heute tun. Aber gerade dafür lohnt es sich, am Ball zu bleiben: Wer die eigene Entwicklung beobachten kann, hat allen Grund selbstbewusst aufzutreten.

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