Stellungnahme des katholisch-theologischen Fakultätentages zur Denkschrift des Wissenschaftsrates

Die Denkschrift des Wissenschaftsrates zu den Theologien und Religionswissenschaften wird vom Katholisch-Theologischen Fakultätentag begrüßt. Die Denkschrift zeichnet sich sowohl in der Beschreibung der Ausgangslage wie in der Analyse und den Empfehlungen durch Differenzierung und Objektivierung aus. Wichtig ist die Verortung der Theologien innerhalb der Wissenschaften, und dies nicht nur historisch, sondern sachlich.
 
Wie die anderen Geisteswissenschaften verbinden die Theologien ihre Systematik und Methodik mit dem Interesse an „Gestaltung, Normsetzung und Sinndeutung“ menschlicher Existenz und Gesellschaft. Was sie in besonderer Weise prägt, ist der Transzendenzbezug, aus dem heraus sie diese Verbindung in Gestalt des Bekenntnisbezuges einer Glaubensgemeinschaft reflektieren.
 
Dem Wissenschaftsrat ist zuzustimmen, wenn er von dieser besonderen Prägung her die Mitwirkung der Religionsgemeinschaften bei institutionellen Entscheidungen der Wissenschaft als inhärentes Moment betrachtet, und wenn er die individuelle Spannung zwischen offenem Forschungsinteresse und Rückbindung an das Bekenntnis der Religionsgemeinschaft für die Theologietreibenden als ein die wissenschaftlichen Potentiale erschließendes Element beurteilt. Weil die Theologie so die normativen Probleme jeder Forschung thematisiert und reflektiert, hat, wie der Wissenschaftsrat ausdrücklich sagt, die Universität als Organisationszentrum von Wissenschaft ein Interesse an der Theologie.
 
Gerade deshalb ist der Ort des wissenschaftlichen Wirkens der Theologie die Universität bzw. die Hochschule in staatlicher Anerkennung. Der Fakultätentag begrüßt daher ausdrücklich die Forderung, dem Erhalt universitärer Einrichtungen den Vorzug vor dem Rückzug in den Binnenraum der Religionsgemeinschaften zu geben. Aus diesem Grund begrüßt der Fakultätentag die Empfehlung des Wissenschaftsrates, jüdischer und islamischer Theologie an der Universität institutionellen Raum zu geben, und gemeinsam mit den christlichen Theologien und den Religionswissenschaften Formen der Kooperation zu finden.
 
Der Katholisch-Theologische Fakultätentag sieht es als folgerichtig an, dass sich sowohl die Mitwirkung der Kirchen an den institutionellen Entscheidungen wie die Tätigkeit der Fakultäten und jede theologische Arbeit an wissenschaftsimmanenten Kriterien messen lassen müssen. Die Darstellung des Wissenschaftsrates zur staatskirchenrechtlich geregelten Mitwirkung der Kirchen wird als zutreffend gewürdigt und die Empfehlung an die Katholische Kirche, im Rahmen des „nihil obstat“-Verfahrens Zügigkeit und Transparenz zu sichern, ausdrücklich begrüßt.
 
Die Beschreibung der Situation der theologischen Fakultäten ist selbst dort, wo sie für die Katholisch-Theologischen Fakultäten schmerzlich ist, objektiv und um gerechte Differenzierung bemüht. Zutreffend ist der Rückgang der Studierendenzahlen in der Theologie, es werden aber auch neue Zugänge und Studieninteressen betont, die Anpassungen der Studienprogramme und veränderte Fachzuordnungen erforderlich machen. Ob die innere Umschichtung der Studieninteressen die Theologien wirklich so nachhaltig wie dargestellt verändert, ist bei gleichbleibendem Lehr- und Prüfungsaufwand allerdings zu fragen.
 
Was hinsichtlich der Studierendenzahlen gesagt wird, gilt auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs, der nicht in allen Fächern gleich ist. Der Katholisch-Theologische Fakultätentag fördert aus diesem Grund in Kooperation mit der DFG den wissenschaftlichen Nachwuchs und treibt in Kooperation mit hochschuldidaktischen Zentren die fachspezifische Hochschuldidaktik voran. Der Wissenschaftsrat stellt zutreffend fest, dass theologische Forschungsleistungen vorwiegend in Einzelprojekten verfolgt werden, dass drittmittelrelevante Forschung nicht den Stand der vergleichbaren Wissenschaften erreicht hat, aber in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat.
 
Wenn der Wissenschaftsrat stärkere Kooperation unter den Fakultäten, zwischen Fakultäten und theologischen Instituten, auch über Bistums- und Ländergrenzen hinweg, und schließlich auch mit den anderen Wissenschaften fordert, findet er die volle Zustimmung des Katholisch-Theologischen Fakultätentages.
 
Prof. Dr. Michael Gabel, Vorsitzender des Katholisch-Theologischen Fakultätentages
 
 
 
 
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