Kirche unter den Vorzeichen von Migration und Pluralität

Hintergründe zum neuen Weiterbildungsstudiengang an der Universität Fribourg

Das Fremde blitzt ausgerechnet in einer Vokabel auf, die viele Christen ganz selbstverständlich mit Heimat verbinden: Von ihrem Ursprung her lässt sich „Pfarrei“ (paroikía) als Ort unter Fremden und für Fremde verstehen. Es sind Erfahrungen und Reflexionen der Fremdheit, auf denen unser Glaube fußt.

Dass ein bedeutender Teil der Menschheit – teils freiwillig, teils unter Zwang – ein migrantisches Leben führt, ist für die Kirche nicht einfach ein Phänomen unter vielen. Vielmehr sieht sie darin ein „Zeichen der Zeit“ (vgl. Erga migrantes caritas Christi). Daraus ergibt sich für Christen der Auftrag, das Gemeinwesen unter den Bedingungen von Migration und Pluralität gerecht zu gestalten. Dies ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Denn nach wie vor gibt es in Kirche und Gesellschaft nicht wenige Orte, an denen „Anders-Sein“ bestenfalls als zu ertragendes Faktum betrachtet wird.

Wenn es stimmt, dass die universale Kirche ein „Volk aus Völkern“ ist, dann gilt es, Kirche als Raum der kulturellen Vielfalt erfahrbar werden zu lassen. Auf ganz selbstverständliche Weise sollte sich im kirchlichen Alltag widerspiegeln, dass unsere Kirche eine Migrantenkirche ist (in Deutschland hat schätzungsweise jeder fünfte, in der Schweiz sogar jeder dritte Katholik einen Migrationshintergrund – mit steigender Tendenz). Die Frage nach einem neuen Miteinander von Katholiken unterschiedlicher Kulturen, Sprachen und Riten hängt eng mit der Frage nach der Pluralitätsfähigkeit von Kirche zusammen.

Christen stehen – ebenso wie Anders- oder Nichtgläubige – stets aufs Neue vor der Herausforderung, auf der Grundlage eigener, identitätsstiftender Überzeugungen den Wert eines pluralen Gemeinwesens zu plausibilisieren. Dazu braucht es Grundhaltungen und Strukturen, die es Menschen verschiedener Herkunft ermöglichen, jenseits von Dynamiken der Ausgrenzung oder Uniformität Beheimatung zu finden.

Wer Kirche und Gesellschaft mitgestaltet und sich dabei den genannten Herausforderungen stellen will, bedarf entsprechender Kompetenzen. Auf weltkirchlicher Ebene bietet das römische Scalabrini International Migration Institute (SIMI) bereits seit mehreren Jahren den online-basierten Studiengang „Pastoral Care of Human Mobility“ an. Im deutschen Sprachraum fehlte ein vergleichbares Angebot bislang.

Aufgrund einer Initiative des Pastoraltheologen Salvatore Loiero (Fribourg, CH) wurde im Verlauf des letzten Jahres ein deutschsprachiges Curriculum zu „Pastoral in den Kontexten menschlicher Mobilität und Migration“ entwickelt. Neben dem SIMI und dem Zentrum für vergleichende Pastoraltheologie der Universität Fribourg waren auch die Dienststelle Migratio der Schweizer Bischofskonferenz sowie die Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz an der konzeptionellen Vorbereitung beteiligt. Als Dozenten für das onlinebasierte „Certificate of Advanced Studies“ (CAS) konnten Theologen sowie Sozial- und Rechtswissenschaftler aus der Schweiz, Deutschland und Österreich gewonnen werden.

Das CAS soll die Teilnehmer mithilfe praxisnaher Inhalte und Methoden dazu Der Studiengang wird vermutlich in erster Linie Personen aus dem Raum der Kirche ansprechen – insbesondere dann, wenn sie haupt- oder ehrenamtlich auf dem weiten Feld der Seelsorge tätig sind. Darüber hinaus kann er aber auch für all jene von Interesse sein, die sich vertieft und interdisziplinär mit der Frage befassen wollen, wie Kirche und Gesellschaft unter den Vorzeichen von Migration und Pluralität weitergedacht werden können.

Dr. Alexander Kalbarczyk, Geschäftsführer der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn

Nähere Informationen zum Studiengang

Flyer des Studiengangs