Spannende Einblicke in die Erforschung des Paderborner Domlettners

Montagsakademie: Dr. Norbert Börste zum mittelalterlichen Lettner des Paderborner Domes

Montagsakademie Paderborn - Dr. Norbert Boerste Auch der Paderborner Dom besaß vom 13. bis weit ins 17. Jahrhundert hinein einen für die damalige Zeit nicht untypischen Lettner, der wie eine Art Schranke den Chorraum vom Langhaus trennte. Dr. Norbert Börste, Lehrbeauftragter für Kunstgeschichte an der Theologischen Fakultät Paderborn, hat die Geschichte und Bedeutung „des mittelalterlichen Lettners des Paderborner Domes“ nun im Rahmen der »Montagsakademie am Montagabend, 30. Oktober näher in den Blick genommen.

Der Lettner im Paderborner Dom habe bis 1652 gestanden, „als man den barocken Choraufgang schuf und die Reste der Lettneranlage mit verbaute“, erklärte Dr. Börste im gut besuchten Audimax der Theologischen Fakultät. „Es war eine steinerne Schranke, die den Domraum für das Domkapitelskollegium vom übrigen Kirchenraum, der für die Laien bestimmt war, abtrennte. Seine Blütezeit habe der Lettner in der Gotik gehabt und „wurde später in der Funktion als Lectorium allmählich von der Kanzel ersetzt“. Der Begriff „Lettner“ stamme vom lateinischen „lectorium“, was übersetzt so viel heißt wie „Lesepult“.

Anhand vieler Skizzen und Illustrationen gewährte Dr. Börste den Zuhörern fachkundige und spannende Einblicke, dass leicht nachvollzogen werden konnte, was ein „aufrecht stehender gotischer Lettner“ überhaupt ist, warum er nachträglich als „eigenständige Binnenarchitektur“ im Dom errichtet wurde und welche Bedeutung er im Laufe der Geschichte hatte. Vor dem Lettner habe der Kreuzaltar gestanden, der Pfarraltar der versammelten Gemeinde, beschrieb Dr. Börste die Anordnung. Darüber habe an zentraler Stelle ein „Triumphkreuz“ gestanden. Hinter dem Lettner habe der zugangsbeschränkte Raum für den Klerus befunden mit Chorgestühl, Bischofssitz und dem Hauptaltar.

„Anhand der Fragmente können im Zusammenhang mit schriftlichen Belegen, vor allem einem Prozessionale des 14. Jahrhunderts, lediglich eingeschränkte Vorstellungen über den Aufbau des Lettners gewonnen werden, lassen aber nach aktuellen Farbuntersuchungen mindestens zwei farbige Rekonstruktionszustände zu“, sagte Dr. Börste. „Da sich nur ganz wenige Lettner des 13. Jahrhunderts erhalten haben, sind auch die Vergleichsmöglichkeiten gering.“

Vom Mittelalter bis heute habe es mehr als 20 Veränderungen im Innenraum des Paderborner Domes gegeben, weshalb die wissenschaftliche Einordnung und Beurteilung nicht leicht sei. Aufwendige Untersuchungen hätten dann aber doch dazu geführt, dass sich aus mehreren erforschten Lettnerfragmenten „Erkenntnisse ergaben, die ergänzend in die Diskussion zum Paderborner Domlettner einflossen. Demnach gehöre der ehemalige Domlettner in Paderborn zu der weitläufig gebräuchlichen Kategorie der Hallenlettner auf rechteckigem Grundriss, mit einem zum Langhaus hin durch Arkaden geöffneten Raum unterhalb der Bühne.“

Aufgrund des Doppeljubiläums der 1.000 Jahre alten Bartholomäuskapelle und der Domkirche auf dem 950 Jahre alten Imad-Fundament behandelt die beliebte Vorlesungsreihe der Theologischen Fakultät Paderborn aktuell das Thema „Gott begegnen an heiligen Orten“. Damit soll ein wissenschaftlicher Beitrag zu den beiden Jubiläen in diesem und im nächsten Jahr geleistet werden.

Den nächsten Vortrag der Montagsakademie am Montag, 6. November, um 18.00 Uhr hält Dr. Yves Kingata aus München. Er spricht zum Thema „Sakralräume und ihre Umgestaltung aus kirchenrechtlicher Perspektive“.

Bei der öffentlichen Vorlesungsreihe Montagsakademie der Theologischen Fakultät Paderborn halten bedeutende Vertreter aus Kirche und Wissenschaft in jedem Wintersemester immer montags um 18.00 Uhr im Auditorium Maximum (Klingelgasse/Ecke Liboristraße) rund 45-minütige Vorträge aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf aktuelle, gesellschaftlich und theologisch relevante Themen und stellen sich anschließend der Diskussion.

| Foto: ThF-PB