„In mehrfacher Hinsicht eine schöne Zeit“

Professor Berthold Wald verabschiedet sich mit letzter Vorlesung

Mit einem Vortrag über die Sakralität als Grundkategorie philosophisch-theologischer Anthropologie hat Professor Dr. Berthold Wald am Montag, 8. Januar, zum Abschied vor vielen Gästen im vollbesetzten Audimax seine letzte Vorlesung als ordentlicher öffentlicher Professor an der Theologischen Fakultät Paderborn gehalten. Im Rahmen der Montagsakademie dankten Rektor Professor Dr. Wolfgang Thönissen und Prorektor Professor Dr. Stefan Kopp dem 65-jährigen Philosophen und Theologen für seine Verdienste in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre sowie für sein vielfältiges Engagement für die Fakultät.

 

 

Dankten dem Philosophen und Theologen Professor Dr. Berthold Wald (Mitte) nach der Abschiedsvorlesung für seine Verdienste und sein Engagement: Rektor Professor Dr. Wolfgang Thönissen (rechts) und Prorektor Professor Dr. Stefan Kopp (links). | Foto: ThF-PB

Traditionell sei an der Theologischen Fakultät Paderborn die Philosophie nicht in irgendeiner Weise zu thematisieren, „sondern in der Weise, dass sie dazu beiträgt, die begriffliche Klarheit des theologischen Denkens zu schärfen“, betonte Professor Thönissen als derzeitiger Rektor in seiner Laudatio. Kollege Wald habe stets für diese Klarheit gesorgt.

Im gesamten akademischen Wirken habe er die Frage nach der Philosophie als Frage an die Wirklichkeit begriffen, wie sie von Gott geschaffen worden sei. So habe Professor Wald das Philosophieren als etwas in sich Christliches verstanden. „Ich denke, dass er die Studierenden damit in die richtige Richtung gelenkt hat, der Wirklichkeit auf die Spur zu kommen. Die Theologische Fakultät Paderborn hat ihm für diesen Dienst sehr zu danken“, erklärte Rektor Thönissen.

Zur Abschiedsvorlesung, die in dieser Form erstmalig an der Theologischen Fakultät organisiert wurde, begrüßte Professor Kopp, der die Montagsakademie als Nachfolger von Professor Wald leitet, zunächst die zahlreichen Gäste, zu denen Verwandte und Freunde von Professor Wald sowie weitere Ehrengäste zählten, darunter Weihbischof Manfred Grothe, Regens Dr. Michael Menke-Peitzmeyer, der evangelische Superintendent Volker Neuhoff, der stellvertretender Landrat Vinzenz Heggen, Dekan Professor Dr. Volker Peckhaus von der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Paderborn und Theologie-Dekan Professor Dr. Kai Sander von der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen.

„Es freut uns, dass sie Anteil nehmen am Leben der Fakultät und dass wir gemeinsam solche Höhepunkte begehen können“, sagte Professor Kopp. Nur so könne die Theologische Fakultät Paderborn auch weiterhin eine gewisse akademische Kultur fördern oder sogar neu entdecken. Es passe sehr gut, dass Professor Wald als ehemaliger Leiter der Montagsakademie seine Abschiedsvorlesung in diesem Rahmen halte und „es freut mich sehr, dass er dieses Angebot angenommen hat“.

Bei seinem Vortrag führte Professor Wald, der noch bis Ende dieses Wintersemesters den Lehrstuhl für Systematische Philosophie innehat, zunächst in das für eine philosophische Abschiedsvorlesung ungewöhnliche Thema ein, ehe er über Vorbemerkungen zum allgemeinen Sinn des Philosophierens das philosophische Interesse am Thema „Sakralität“ begründete. Nach einer Klärung der Bedeutung und Verwendung des Terminus „Sakral“ konkretisierte und rechtfertigte Professor Wald seine These, Sakralität als eine philosophisch-theologische Grundkategorie zu verstehen.

Professor Wald führte dabei in die Unterscheidung von Heiligkeit und Sakralität ein und nahm die Bedeutung der leiblich-seelischen Einheit des Menschen für die Möglichkeit der Gottesbegegnung in den Blick. Anschließend erläuterte Professor Wald die inkarnatorische Grundform aller Vermittlungen von absoluter Transzendenz und absoluter Nähe Gottes und machte schließlich auf die Notwendigkeit der Unterscheidung zwischen Gottesbegegnung und Gotteserfahrung aufmerksam.

Bevor es zum anschließenden Empfang ging, sagte Professor Wald in sehr persönlicher Weise und sichtlich gerührt noch einmal Dank: „Die Zeit von insgesamt annähernd 20 Jahren an dieser Fakultät war in mehrfacher Hinsicht eine schöne Zeit.“ Dazu hätten nicht zuletzt die guten Arbeitsbedingungen und die angenehme Atmosphäre zwischen Lehrenden, Studierenden und den Mitarbeitenden beigetragen. „Der Mensch beginnt nicht erst beim Professor. Hier werden alle wertgeschätzt. Ich bin froh, an dieser Fakultät gelehrt zu haben.“

Berthold Wald wurde 1952 in Wipperfürth geboren. Nach seiner schulischen Ausbildung studierte er Philosophie und katholische Theologie in Freiburg und Münster, wurde an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster 1986 in Philosophie promoviert und 2002 habilitiert. Es folgten Lehrtätigkeiten in Münster und Rom, bevor er an die Theologische Fakultät Paderborn wechselte. Hier übernahm er 2002 den Lehrstuhl für Systematische Philosophie und die Leitung der 2008 neu gegründeten Josef-Pieper-Arbeitsstelle.

Aufgrund des Doppeljubiläums der 1.000 Jahre alten Bartholomäuskapelle und der Domkirche auf dem 950 Jahre alten Imad-Fundament behandelt die beliebte Vorlesungsreihe der Theologischen Fakultät Paderborn aktuell das Thema „Gott begegnen an heiligen Orten“. Damit soll ein wissenschaftlicher Beitrag zu den beiden Jubiläen in diesem und im nächsten Jahr geleistet werden.

Bei der öffentlichen Vorlesungsreihe Montagsakademie der Theologischen Fakultät Paderborn halten bedeutende Vertreter aus Kirche und Wissenschaft in jedem Wintersemester immer montags um 18.00 Uhr im Auditorium Maximum (Klingelgasse/Ecke Liboristraße) rund 45-minütige Vorträge aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf aktuelle, gesellschaftlich und theologisch relevante Themen und stellen sich anschließend der Diskussion.