Erzbischof Fouad Twal ist Ehrendoktor der Theologischen Fakultät Paderborn

„Man könnte kaum einen würdigeren Mann finden. (…) Ich gratuliere Erzbischof Twal zu dieser Auszeichnung und auch denen, die diese Entscheidung zur Verleihung getroffen haben.“ Das betonte Avi Primor, von 1993-1999 Botschafter Israels in der Bundesrepublik Deutschland, bei seiner Laudatio auf den neuen Ehrendoktor der Theologischen Fakultät Paderborn (ThF). Diese hat am Montag (9. Mai) dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, S.S. Erzbischof Fouad Twal, die theologische Ehrendoktorwürde verliehen. Die Theologische Fakultät Paderborn würdigte mit dieser Auszeichnung die herausragenden kirchlichen Verdienste Erzbischof Twals, der sich mit großem Engagement für Versöhnung und Frieden in Jerusalem und im Nahen Osten einsetzt und auf vielfältige Weise den Dialog zwischen den Religionen und Völkern fördert.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker betonte in seiner Predigt während eines feierlichen Pontifikalamtes in der Universitäts- und Marktkirche die Bedeutung der Heiligen Stadt für alle Christen. „Der Anlass richtet unseren Blick fast automatisch auf Jerusalem, das allen drei großen Weltreligionen heilig ist und im Zentrum unserer Aufmerksamkeit steht.“ Mit Psalm 122, dem großen Wallfahrtslied Davids, schloss sich der Erzbischof der Gebetsbitte des Psalmisten um Wohlergehen und Frieden für Jerusalem an, den diese so dringend nötig habe. „Gemeinsam wollen wir also im Geiste zum Berg Zion pilgern, um Frieden zu erbitten für diese Stadt – den Frieden, den Jesus uns aufgetragen hat.“ Die Verleihung der Ehrendoktorwürde an Mitbruder Twal habe mit der Feier der Eucharistie begonnen, so Erzbischof Becker, um den Blick auch auf die universalkirchliche geistliche Dimension Jerusalems zu richten. Denn die „Hauptstadt des Christlichen Glaubens ist nicht nur Schauplatz von Gewalt, sondern insbesondere die Stadt des Gebets, des Dialoges und der Liebe.“

Eine Abordnung von Grabesrittern begrüßt Erzbischof Twal (Mitte links; daneben der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker) vor dem Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät Paderborn.Rektor Prof. Dr. Berthold Wald konnte zu Beginn des sich anschließenden Festaktes der Ehrenpromotion im Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät Paderborn zahlreiche Gäste aus Kirche, Kultur, Wissenschaft und Politik begrüßen. Darunter befand sich auch eine große Abordnung des Ordens der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem mit ihrem Statthalter Dr. Heinrich Dickmann. Die Grabesritter fühlen sich Erzbischof Twal in besonderer Weise verbunden und unterstützen dessen vielfältige Aufgaben und zahlreiche Bildungsprojekte in Jordanien, Israel und Palästina. In seinem Grußwort erinnerte der Magnus Cancellarius der Theologischen Fakultät, Erzbischof Hans-Josef Becker, an die Pilgerfahrt der Deutschen Bischöfe in das Heilige Land im Jahre 2007. Damals war es bereits zu Begegnungen mit Erzbischof Twal und dem ehemaligen Botschafter Israels in Deutschland gekommen. An diesem Tag sei es ihm eine besondere Freude, beide gemeinsam anlässlich der Ehrenpromotion in Paderborn zu begrüßen.

Avi Primor, heute Präsident der Israelischen Gesellschaft für Außenpolitik, hielt die Lobrede auf den neuen Ehrendoktor. Das sei schon außergewöhnlich, wie Rektor Wald betonte, wenn ein in Tel Aviv aufgewachsener Jude die Verdienste eines christlichen Arabers würdige. Mit großer Anerkennung und Respekt hob der Laudator, der sich selbst seit langem für den Frieden im Nahen Osten einsetzt, die Leistung des Patriarchen hervor, die „unter den Umständen von Krieg und Besatzung“ keineswegs einfach seien. Fouad Twal kämpfe jedoch nicht allein für die Christen, sondern er suche auf dem Weg des Dialogs eine gerechte Lösung für Moslems, Christen und Juden, „so dass alle gleichberechtigt und in Würde leben können.“ Denn „wer nicht in Würde leben kann, der kann auch nicht Frieden stiften und in Frieden leben.“ Primor machte deutlich, dass sich Erzbischof Twals Engagement dadurch auszeichne, den Teufelskreis von Vorurteil, Ignoranz, Argwohn, Angst und Hass zu durchbrechen. Das geschehe, in dem er Brücken bauen helfe, um die gegenseitige Ignoranz der Menschen abzubauen. „Sich für die Würde einzusetzen heißt konkret, auch das Bildungssystem, die Wirtschaft und das Gesundheitssystem zu fördern. In den von Lateinischen Patriarchat getragenen Schulen lernen Juden, Muslime und Christen nebeneinander; das wäre in meiner Jugend undenkbar gewesen“, so Avi Primor. Mit gleicher Intensität setze Fouad Twal auch auf Möglichkeiten zum Dialog auf der Ebene der Regierungen, um konkrete Verbesserungen der Lebenssituation vieler Menschen zu erreichen.

Übergabe der Promotionsurkunde an Erzbischof Fouad Twal (re.) durch Rektor Prof. Dr. Berthold Wald.Im Anschluss an die Rede von Avi Primor erhielt der Lateinische Patriarch dann aus der Hand von Rektor Prof. Dr. Berthold Wald unter Beifall des Auditoriums die Promotionsurkunde. In seinem anschließenden Festvortrag mit dem Titel „Die Christen des Heiligen Landes. Kirche von Golgotha und Brücke zum Frieden“ erläuterte der neue Ehrendoktor der Theologischen Fakultät Paderborn in deutscher Sprache die Situation in Jerusalem und im Nahen Osten, die Projekte und Perspektiven aber auch„Stolpersteine“ für die Christen in seinem Verantwortungsgebiet. Am Beginn jedoch brachte Fouad Twal noch einmal seinen großen Dank für diese Auszeichnung zum Ausdruck und widmete sie „allen Menschen guten Willens im Nahen Osten“, die mitwirkten am Brückenbau hin zu Versöhnung und Frieden.

Zwar sei das Lateinische Patriarchat zahlenmäßig klein, „gemessen an der Verantwortung und den Herausforderungen aber, ist unser Auftrag gewaltig.“ Bücken zu bauen heiße für ihn und seine Gläubigen, die im Gesamt der Religionen vor Ort eine kleine Minderheit seien, nach vielen Ufern hin Verbindungen zu schaffen. „Wer Brücken baut, der muss die Beschaffenheit beider Seiten kennen. Es braucht dazu auch die Fähigkeit zu Redlichkeit und Wahrhaftigkeit, damit die jeweiligen Bedürfnisse erkannt und respektiert werden können.“ Erzbischof Twal erinnerte dabei an den Besuch des Heiligen Vaters, Papst Benedikts XVI., bei Schimon Perez, dem Staatspräsidenten Israels. Der Papst habe davon gesprochen, dass Sicherheit eine Sache des Vertrauens sei, das selbst wiederum „genährt wird durch Gerechtigkeit und eine Umkehr des Herzens“. Eine solche Umkehr der Herzens brauche es insbesondere auch angesichts politischer Fragen – etwa die der „der Mauer (gemeint sind die israelischen Sperranlagen zwischen dem israelischen Kernland und dem Westjordanland), die Familien spaltet und nicht zulässt, dass neue Familien entstehen.“

Was heißt es nun konkret, Brücke zum Frieden zu sein? Erzbischof Twal unterstrich dabei unter anderem die Rolle der Pilger, die für das Heilige Land von großer Wichtigkeit seien: „Jerusalem ist die Heimat aller Pilger.“ Jeder Pilger, der die heiligen Stätten besuche, sei ein „lebendiges Zeichen dafür, dass Israel ein Land des Friedens und des Gebetes“ ist. In diesem Sinne formulierte der Lateinische Patriarch von Jerusalem abschließend einige Wünsche für die Zukunft der Christen und die Zukunft des Heiligen Landes. Er wünsche sich, dass es allen möglich sein wird, ohne Angst und Vorurteile zu leben; dass Kinder unterschiedlicher Religionen die Gelegenheit bekommen, gemeinsam zu spielen und zu lernen; dass Jerusalem den Frieden erhalte, den es so lange ersehne und schließlich, dass sich Staatsmänner und die Internationale Gemeinschaft auch verantwortlich für diesen Frieden fühlen.

Gruppenfoto vor dem Auditorium Maximum. Erzbischof Fouad Twal (7.v.r) mit Erzbischof Hans-Josef Becker (5.v.r), Avi Primor (8.v.r), Rektor Prof. Dr. Berthold Wald (9.v.r) sowie den Grabesrittern und der Professorenschaft der Theologischen Fakultät Paderborn.An den Vortrag von Erzbischof Twal schloss sich ein abschließender Gruß und Dank des Rektors an. Dieser richtete sich insbesondere auch an die Ausführenden des Musikalischen Rahmenprogramms Anita Farkas und Kirill Yashin von der Musikhochschule Detmold. Schließlich kam durch eine Grußnote des Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Périssets, die Erzbischof Becker überbrachte, die besondere Mitfreude des Heiligen Vaters, Papst Benedikts XVI. und der ganzen Kirche Roms zum Ausdruck.

 

Angemerkt: In seinem Vortrag unterstrich Erzbischof Fouad Twal die Bedeutung des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, mit deren Hilfe er „den Auftrag Jesu zur Verkündigung des Reiches Gottes“ im Nahen Osten verwirklichen könne. Als Zeichen der Verbundenheit erhielt Erzbischof Twal am Rande der Feierlichkeiten von der Paderborner Komturei einen Scheck in Höhe von 5.000 Euro. Dieses Geld fließt in den Bau einer Kapelle in der von Erzbischof Twal in Madaba in Jordanien neu begründeten Universität, deren Grundstein Papst Benedikt XVI. genau vor zwei Jahren, am 9. Mai 2009 gelegt hat.

Mit der Ehrenpromotion an S.Seligkeit den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, verleiht die Theologische Fakultät Paderborn erst zum vierten Mal in ihrer Geschichte eine theologische Ehrendoktorwürde. Dies unterstreicht die außerordentlichen und besonderen Verdienste von Fouad Twal. Die Theologische Fakultät Paderborn ist die älteste Hochschule Westfalens. Sie wurde am 10. September 1614 von Fürstbischof Dietrich IV. von Fürstenberg gegründet und als Universität mit Philosophischer und Theologischer Fakultät von Papst Paul V. durch Breve „In supereminenti“ vom 2. April 1615, von Kaiser Matthias durch Diplom vom 14. Dezember 1615 bestätigt und mit dem Promotionsrecht für beide Fakultäten privilegiert. Die am 18. Oktober 1818 durch den König von Preußen verfügte Aufhebung ist nicht ausgeführt und durch Allerhöchsten Erlass am 16. April 1836 ausdrücklich zurückgenommen worden. Seit dem 16. März 1917 trug die Hochschule die Bezeichnung „Philosophisch-Theologische Akademie“. Papst Paul VI. gab der Hochschule durch Dekret vom 11. Juni 1966 den Rechtsstatus einer Theologischen Fakultät und bestätigte ihre Rechte, die akademischen Grade zu verleihen. Die darauf bezügliche Urkunde des Kultusministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen datiert vom 14. Oktober 1966 (novelliert gemäß § 74 Abs. 1 des Hochschulfreiheitsgesetzes (HFG) des Landes Nordrhein-Westfalen vom 31. Oktober 2006).

Paderborn 10.5.2011 (ThF)