Das Fach Katholische Theologie – eine Standortbestimmung
Die Theologie scheint im Kreis der wissenschaftlichen Disziplinen an der Universität zunächst deutlich eine Sonderstellung einzunehmen. Das hat im Verein mit einem problematischen Wissenschaftsverständnis dazu geführt, der Theologie unter dem Vorwurf des Dogmatismus in den Voraussetzungen, der Fremdbestimmung in Lehre und Forschung und des wertbestimmten Charakters ihrer Funktion die Wissenschaftlichkeit und damit die Existenzberechtigung an der Universität zu bestreiten.
In Wirklichkeit sind es gerade die jahrhundertelangen Erfahrungen der Theologie mit ihrem komplexen wissenschaftstheoretischen Status, die ihre Notwendigkeit bzw. Sinnhaftigkeit im Kreis der wissenschaftlichen Disziplinen begründen. Die Existenz der Theologie an der Universität hält nämlich wie kaum ein anderes Fach (mit Ausnahme der Philosophie vielleicht) die Erinnerung wach, dass Wissenschaft auch ein geschichtlicher Prozess ist und bleibt, der seit seinen Anfängen vor dem Problem der Einheit wissenschaftlicher Welt- und Lebensorientierung steht. Die Theologie hat zwar die vielfältigen Differenzierungen des Wissenschaftsbegriffs in der abendländischen Wissenschaftsgeschichte mitvollzogen, gleichzeitig jedoch immer die Intention der Einheit verlässlicher Welt- und Lebensorientierung zu vermitteln versucht, die die religiöse und speziell die christliche Welt- und Lebensorientierung einschließt.
Katholische Theologie im Kontext der Johann Wolfgang Goethe-Universität, der Stadt Frankfurt und des Landes Hessen
In der Geschichte der Universitäten gehört die (katholische) Theologie von Anfang an zum Kosmos der Wissenschaften. Die Frankfurter Universität bildet hier zunächst eine Ausnahme. Erst 1971 wurde der Fachbereich Religionswissenschaften mit einer katholischen und einer evangelischen Wissenschaftlichen Betriebseinheit eingerichtet, der dann 1987 in die zwei selbständigen Fachbereiche Evangelische Theologie und Katholische Theologie aufgeteilt wurde (heute Fb 6 und Fb 7). Der Fachbereich Katholische Theologie hat die Herausforderungen, die der Frankfurter Kontext mit sich bringt, bewusst aufgenommen. Der Fachbereich hat dazu Schwerpunkte interdisziplinärer Forschung entwickelt, die auf die gemeinsame Aufgabe der Universität und den Standort Frankfurt bezogen sind und in denen der Fachbereich in der Landschaft Katholisch-Theologischer Fakultäten oder kirchlicher Hochschulen ein ganz eigenes Profil gewonnen hat.
Eine besondere Rolle spielte und spielt die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern für das Fach Katholische Religion. Der Fachbereich Katholische Theologie der J.W. Goethe-Universität ist der einzige Fachbereich Katholische Theologie an einer staatlichen Universität des Landes Hessen. An ihm sind alle Disziplinen der Katholischen Theologie in Forschung und Lehre vertreten. Dadurch wurde eine fachlich differenzierte Ausbildung von Religionslehrerinnen und Religionslehrern ermöglicht, die neben der pädagogischen auch die erforderliche fachtheologische Kompetenz verleiht, um den heutigen Herausforderungen entsprechen zu können.
Kooperationen
Eine enge Zusammenarbeit besteht mit dem Fachbereich Evangelische Theologie, angefangen von der gemeinsamen Bibliothek über die Frauenförderung und -forschung bis hin zum gemeinsamen universitären Schwerpunkt "Religion im Dialog" und zum gleichnamigen internationalen Promotionsstudienprogramm "Religion im Dialog".
Ein Lehrverbund und eine Kooperation besteht mit der TU Darmstadt und dem dortigen Institut für Theologie und Sozialethik.
Seit vielen Jahren bestehen persönliche Kontakte zwischen Professoren an der Hochschule St. Georgen und Professoren am Fachbereich. Regelmäßig finden Treffen und gegenseitige Besuche statt. Eine weitergehende Zusammenarbeit wird angestrebt.